Kurzzusammenfassung

Das Projekt YOUTH zielt darauf ab, einen umfassenden methodologischen Rahmen für die Untersuchung von Jugendlichkeit im Kontext sozialer Ungleichheit und ihrer Überschneidung mit öffentlich zugänglichen Social Media Plattformen zu schaffen. Dieses Framework zielt darauf ab, Jugendlichkeit als eine sozial konstruierte Realität mit diskursiven, symbolischen und materiellen Dimensionen zu verstehen, die sich auf städtische öffentliche Räume und deren Repräsentation auswirken. Das Projekt nutzt Aktionsforschung in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen, um junge Menschen zu befähigen, insbesondere digitale und nicht-digitale Mittel zu nutzen, um Zugang zu öffentlichen Räumen zu erlangen und strukturelle Benachteiligungen zu überwinden. Eine Spring School wird organisiert, um diesen Forschungsrahmen zu verfeinern und eine neue Forschungsagenda zu skizzieren.

Ergebniszusammenfassung

Das Forschungsanbahnungsprojekt YOUTH untersucht, wie soziale Ungleichheit durch (nicht-)digitalen Zugang zu öffentlichen Räumen reproduziert wird. Jugendlichkeit wird dabei als relationale Alterskategorie verstanden, die verkörperte, symbolische und materielle Aspekte umfasst und urbane Erfahrungen junger Menschen prägt.

Ausgehend von diesem theoretischen Rahmen entwickelte YOUTH eine intersektionale Methodologie innerhalb der Urban Studies, die qualitative Ansätze aus Raumforschung, Soziologie, Geographie, Sozialarbeit und digitalen Medienwissenschaften integriert. In Fallstudien in Wien, Tel Aviv und Belo Horizonte wurde in Zusammenarbeit mit NGOs untersucht, wie Jugendliche digitale Medien nutzen, um sich im urbanen Raum zu orientieren und anzueignen, und wie dadurch hybride – sogenannte vireale öffentliche Räume – entstehen.

Eine zentrale theoretische Erkenntnis ist, dass öffentliche Räume heute simultan digital und materiell erlebt werden und von Jugendlichen nicht unterschieden werden. Diese Perspektive prägt das Konzept der „virealen öffentlichen Räume“, das sich als Schlüssel zur intersektionalen Analyse urbaner Ungleichheit erwiesen hat.

Drei wissenschaftliche Artikel systematisieren die empirischen Erkenntnisse:

Artikel 1 entwickelt das methodologische Rahmenwerk zur intersektionalen Erforschung von Jugendlichkeit in urbanen Räumen. Dabei wurde auf die Erfahrungen der drei YOUTH-Fallstudien aufgebaut.

Artikel 2 analysiert auf Grundlage einer qualitativen Studie in Belo Horizonte, wie soziale Ungleichheiten – insbesondere Klasse, Ethnizität und Geschlecht – die Nutzung digitaler Technologien und sozialer Netzwerke durch Jugendliche im öffentlichen Raum beeinflussen.

Artikel 3 untersucht die ambivalente Rolle von NGOs in der Jugendforschung, insbesondere in Bezug auf ethische und methodologische Herausforderungen.

Ein zentrales Ereignis und experimentelles Format des Projekts war die fünftägige Spring School im Juni 2024 an der TU Wien mit 26 internationalen Teilnehmenden aus sechs Ländern. Eine digitale Teilnahme über eine E-Learning-Plattform und Live-Streaming war fester Bestandteil der Spring School. Das abwechslungsreiche fünftägige Programm kombinierte theoretische Beiträge, Feldforschung in Wien, Raum für Gruppenarbeit sowie Inputs zum Stand der Jugendforschung und Fallstudien aus Tel Aviv und Belo Horizonte. Inhalte waren u. a. aktuelle Entwicklungen im Bereich Social Media, Jugendpartizipation und inklusive Stadtplanung. Die Veranstaltung ermöglichte auch eine weite internationale Verbreitung, etwa über die Netzwerke der Partner, Instagram und die Projektwebsite.

Am Ende des Projektes wurden wichtige Weichen für Folgeprojekte gestellt: Ein Forschungsantrag mit Fokus auf Jugend und „Care Policies“ wurde unter der Leitung der PUC Minas Gerais beim brasilianischen Conselho Nacional de Desenvolvimento Científico e Tecnológico eingereicht, das dem brasilianischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Ministério da Ciência, Tecnologia e Inovação – MCTI) unterstellt ist. Parallel dazu wird ein Erasmus+ KA2-Antrag vorbereitet, der die europäische Zusammenarbeit und Innovation in forschungsgeleiteter Lehre stärken soll. Beteiligt sind Partnerinstitutionen in Zypern, Italien, Deutschland und Finnland.

Zentrale Erkenntnisse von YOUTH sind auch in einen Policy Brief an die Rektorate der Technischen Universitäten eingeflossen, der für eine jugendgerechtere und chancengerechtere Forschungslandschaft im digitalen Zeitalter plädiert.

YOUTH verbindet Internationale Urbanistik, digitale Medien und Jugendpartizipation und liefert ein innovatives methodisches Fundament zur Erforschung zeitgenössischer Jugendlichkeit. Durch empirische Forschung, Bildungsinnovation und internationale Zusammenarbeit trägt es zu einem besseren Verständnis des Zusammenspiels von Digitalisierung, öffentlichem Raum und sozialer Ungleichheit bei und schafft damit eine Grundlage für zukünftige empirische Studien und Politikentwicklung.