Das CTSi – Center for Technology-driven Social Innovation lädt auch im Wintersemester 2026/27 wieder zur öffentlichen Science Insights Seminarreihe ein. Die Online-Vorträge sollen Forschende und Expert:innen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbringen und neue Perspektiven auf aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen an der Schnittstelle von Technologie, Gesellschaft und Innovation eröffnen.

Die Seminarreihe richtet sich an Studierende, Forschende, Mitarbeitende sowie alle Interessierten und bietet Einblicke in Themen wie digitale Sicherheit, Künstliche Intelligenz, Extremismusprävention, User Experience Design und nachhaltige Technologiebildung. Die Teilnahme ist kostenlos, alle Veranstaltungen finden online via Zoom statt.

Programm

  1. Wem dient das User Interface heute noch?Philipp Pieh Sandpeck · 16:00 Uhr · Deutsch
  2. Nachhaltige technische Ausbildung: Eine kritische und interkulturelle Lernerfahrung für StudierendeLucien Stoven, Julian Schlör und Lukas Wurth · Termin folgt · Englisch
  3. Titel folgtRichard Pfeifer · Termin folgt · Deutsch (vorläufig)

Montag, 9. November 2026 · 16:00–17:00 Uhr

Sich geschützt fühlen, geschützt sein, und warum das nicht dasselbe sein muss: Sicherheit, Safety und Privatsphäre, wie Menschen sie erleben

Vortragender
Dipl.-Ing. Rafael Vrecar, BSc
Sprache
Deutsch

Technische Sicherheit lässt sich messen, zertifizieren und vergleichen. Wie geschützt sich Menschen bei der Nutzung einer Technologie fühlen, lässt sich das nicht, zumindest nicht einfach. Trotzdem entscheiden sie auf Basis dieses Gefühls: Sie meiden einen Passwortmanager, weil „alle Passwörter an einem Ort“ riskant wirkt, und vertrauen einer E-Mail, weil sie offiziell aussieht. Im Alltag trennen Menschen dabei kaum zwischen Security, Safety und Privatsphäre. „Ich fühle mich nicht sicher“ kann alles davon bedeuten. Rafael Vrecar fasst diese drei Aspekte deshalb unter dem Begriff „Perceived Protection“ zusammen: wie geschützt sich eine Person fühlt, egal welcher der drei Aspekte technisch betroffen ist.

Im Vortrag zeigt er, wann und warum wahrgenommener und tatsächlicher Schutz auseinanderfallen und welche Rolle Technologien, persönliche Eigenschaften und Kontext dabei spielen, vom AI-Assistenten bis zum Cookie-Banner. Er stellt Ergebnisse aus eigenen Studien vor und die Instrumente, die zur Messung von wahrgenommenem Schutz entwickelt werden. Abschließend geht es um generative KI: Sie macht Täuschung billig, und zunehmend soll sie auch für uns entscheiden, was wir teilen. Beides verschiebt die Frage, worauf sich unser Gefühl von Schutz noch stützen kann.

Über den Vortragenden

Rafael Vrecar ist Human-Computer-Interaction-Forscher (HCI) an der TU Wien. Er untersucht Perceived Protection, also wie geschützt sich Menschen bei der Nutzung digitaler Technologien fühlen, und warum dieses Gefühl oft vom tatsächlichen Schutz abweicht. Seine Dissertation mit dem Titel Perceived Protection: Security, Safety, and Privacy as People Experience Them wird durch ein DOC-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gefördert.

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Dienstag, 24. November 2026 · 12:00–13:00 Uhr

Technologien und gewalttätiger Extremismus: Was uns KI über Bedrohungen, Prävention und Governance verrät

Vortragender
Dr. Kevin Marc Blasiak
Sprache
Englisch

Gewalttätige extremistische Bewegungen haben neue Technologien immer wieder frühzeitig genutzt – von Online-Foren und sozialen Medien bis hin zu verschlüsselten Messaging-Diensten und Gaming-Plattformen. Prävention und Aufsicht folgten meist erst später. Generative KI ist das aktuelle und folgenreichste Beispiel für dieses Muster.

Anhand des Beispiels der KI wird in diesem Vortrag die Frage gestellt, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit einer neuen Technologie im Bereich der Terrorismusbekämpfung und der Prävention von gewalttätigem Extremismus (CTVE) aussehen könnte. Zunächst werden die Bedrohungen aufgezeigt: überzeugende, kostengünstig produzierte synthetische Propaganda, Dialogsysteme, die zur Radikalisierung eines Nutzers beitragen können, sowie ein allgemeiner Vertrauensverlust in Informationen und Institutionen. Anschließend wird erörtert, was KI realistisch gesehen zur Prävention beitragen kann, beispielsweise durch die Online-Ansprache gefährdeter Personen, die Vermittlung von Hilfsangeboten, die Aufdeckung koordinierter Kampagnen mit frei verfügbaren Open-Source-Tools und die Unterstützung von Fachkräften an vorderster Front.

Abschließend vertritt Kevin Marc Blasiak die Ansicht, dass die schwierigsten Fragen eher die Governance als die technischen Möglichkeiten betreffen. Prävention beruht auf Vertrauen und Legitimität. Ein System, das sich still und leise von der Unterstützung der Menschen hin zur Überwachung und Triage verlagert, kann beides untergraben. Ausgehend von aktuellen Forschungsergebnissen, an denen verschiedene Interessengruppen beteiligt waren, befasst sich der Vortrag mit der Frage, wie solche Systeme klassifiziert und überwacht werden sollten, wer bei Fehlschlägen zur Rechenschaft gezogen wird und wie sie so gestaltet werden können, dass sie den Werten der betroffenen Menschen gerecht werden. Ziel ist es, einen übertragbaren Denkansatz für den Einsatz neuer Technologien in einem Bereich zu bieten, in dem Fehler kostspielig sind und gesellschaftliche Folgen haben.

Über den Vortragenden

Kevin Marc Blasiak ist Dozent für Informationssysteme an der Curtin University in Perth, Australien. Seine Forschung befasst sich mit digitalen Gefahren wie Online-Extremismus, der Frage, wie Technologie reguliert werden kann, um diese Gefahren zu mindern, sowie der verantwortungsvollen Gestaltung von Systemen, die solchen Gefahren entgegenwirken und sie verhindern. Er ist Experte für digitale Gefahren und neue Technologien bei UNOPS und unterstützt die Arbeit der Vereinten Nationen im Bereich Technologie und Gewaltbekämpfung. Kevin ist Mitglied des VOX-Pol-Exzellenznetzwerks, Mitwirkender im Global Network on Extremism and Technology (GNET) und Fellow am CTSi der TU Wien, wo er zuvor als Postdoktorand tätig war. Er promovierte 2024 an der University of Queensland.

Montag, 14. Dezember 2026 · 16:00–17:00 Uhr

Wem dient das User Interface heute noch? Über das Spannungsfeld zwischen Usability, Marktlogik und agentischer KI

Vortragender
Philipp Pieh Sandpeck, MA
Sprache
Deutsch

Usability verspricht per definitionem, dass digitale Systeme effektiv, effizient und zufriedenstellend bedienbar sein sollen (ISO 9241-11). In der Aufmerksamkeitsökonomie gerät dieses Leitbild jedoch in einen strukturellen Zielkonflikt mit den Geschäftsmodellen vieler Plattformen: Suchmaschinen bewerten Relevanz unter anderem danach, wie lange Nutzer verweilen, werbefinanzierte Dienste leben von jeder Minute Aufmerksamkeit. Belohnt wird in solchen Kontexten nicht das Interface, das Menschen rasch ans Ziel bringt, sondern jenes, das möglichst lange ihre Aufmerksamkeit bindet. Gestalterinnen und Gestalter dieser Systeme dienen somit zwei Herren mit gegensätzlichen Interessen.

Die Folgen sind messbar: Menschen verbringen immer größere Anteile ihrer Lebenszeit vor Bildschirmen. Attention-Capture Damaging Patterns (ACDPs) sind allerdings weniger ein moralisches Versagen Einzelner und mehr eine logische Folge eines Systems, das auf Engagement optimiert.

Der Vortrag analysiert dieses Spannungsfeld zwischen Usability und Marktlogik und begibt sich auf die Suche nach möglichen Auswegen: Könnten wertebasierte, KI-gestützte Gestaltungsansätze dem entgegenwirken – und wessen Interessen müssten sie dabei dienen?

Über den Vortragenden

Geboren 1986 in Wien, wollte Philipp Pieh Sandpeck ursprünglich Journalist werden. Schon in der Schule entdeckte er dann seine Liebe zu Typografie und grafischem Layout – traute sich aber lange nicht zu, daraus einen Beruf zu machen. Der Weg führte ihn zunächst über Studien der Wirtschaft und Musikwissenschaft, ehe er als freier Designer bei einer Wiener Agentur für Kulturkommunikation landete.

Mit dem Aufkommen von Smartphones begann ihn zu interessieren, wie physisches und digitales Design zu einer schlüssigen Markenerfahrung zusammenwachsen. 2015 gründete er die Gebrüder Pixel OG, um Unternehmen dabei zu unterstützen, genau solche hybriden Markenerfahrungen zu entwickeln. Sein Fachwissen als Creative Leader vertiefte er u. a. in Fortbildungen an der Yale School of Management (USA) und schloss anschließend sein Studium am Technikum Wien mit einem Master in User Experience Management ab.

Heute liegt sein Schaffensbereich in der Schnittstelle zwischen Business, Technologie und Design. Für seine Arbeit wurde er 2025 und 2026 mit dem iF Design Award ausgezeichnet, einem der weltweit renommiertesten Industriedesignpreise. Er ist zudem zertifizierter UXQCC Usability Engineer und lehrt Interface Design an der New Design University in St. Pölten.

Jänner 2027 · Termin folgt

Nachhaltige technische Ausbildung: Eine kritische und interkulturelle Lernerfahrung für Studierende

Vortragende
Lucien Stoven, Julian Schlör und Lukas Wurth
Sprache
Englisch
Zoom
Zoom-Link folgt demnächst

Da Nachhaltigkeit und Ethik zunehmend als zentrale Anforderungen in der Technologieforschung und -industrie anerkannt werden, müssen Studierende der Ingenieurwissenschaften und der Informatik umfassend mit diesen Themen vertraut gemacht werden.

Als Informatikstudierende werden Lucien Stoven (IMT), Julian Schlör (TU Wien) und Lukas Wurth (TU Wien) ihre Erfahrungen aus der Lehre zu diesem Thema teilen und die Sichtbarkeit des Fachgebiets an ihren Universitäten, die verschiedenen Lehrmethoden sowie die Integration des Themas in die Lehrpläne in Frankreich und Österreich kritisch bewerten. Abschließend werden sie Bereiche erörtern, in denen sie Verbesserungspotenzial sehen, und eine offene Diskussion anregen.

Über die Vortragenden

Lucien Stoven ist Student der Informatik am IMT (Institut Mines-Télécom) in Frankreich. Da er sich schon lange für nachhaltige Technologien interessiert, absolvierte er ein Doppelstudium an einer politikwissenschaftlichen Hochschule, um politische Ökologie zu studieren. Er war studentischer Vertreter am IMT und Mitglied des EULiST-Studierendenbeirats. Dieser einzigartige Bildungsweg veranlasste ihn, die Beziehung von Ingenieurstudierenden zur Ökologie zu erforschen. Derzeit engagiert sich Lucien in Vereinen für nachhaltige Technologie in Lille (Frankreich).

Julian Schlör ist Informatikstudent an der TU Wien. Sein Engagement für digitale Ethik und digitalen Humanismus begann bei der Digital Humanism Summer School 2024 in Wien. Seitdem nahm er an verschiedenen Veranstaltungen zu diesem Thema teil, engagierte sich ehrenamtlich bei der ersten Digital-Humanism-Konferenz im Jahr 2025 und präsentierte auf der EULiST-Studierendenkonferenz 2026 ein Poster zum Thema Digitaler Humanismus. Darüber hinaus arbeitet er in der Abteilung für Internationale Angelegenheiten der Studierendenvertretung der TU Wien und ist Mitglied des Studierendenvorstands der EULiST University Alliance.

Lukas Wurth ist Doktorand im Fachbereich Chemieingenieurwesen an der TU Wien und forscht zum Einsatz von Digital Engineering zur Optimierung von Verfahren zur Herstellung nachhaltiger Kraftstoffe. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit hat er einen neuen interdisziplinären Kurs zum Thema Nachhaltigkeit mitgestaltet, in dem Studierende aller Bachelorstudiengänge der TU Wien gemeinsam an Nachhaltigkeitsthemen arbeiten. Zuvor war er Mitglied des Vorstands der Studierendenvertretung der TU Wien (HTU Wien) und dort für die Bereiche Lehre, Forschung, Internationalisierung und Doktoranden zuständig. Derzeit ist er Mitglied des EULiST-Studierendenbeirats und arbeitet in der Abteilung für internationale Angelegenheiten der Studierendenvertretung der TU Wien.

Februar 2027 · Termin folgt

Titel folgt

Vortragender
Richard Pfeifer, M.A.
Sprache
Deutsch (vorläufig)
Zoom
Zoom-Link folgt demnächst

Den Abschluss der Science Insights Seminarreihe bildet ein weiterer Vortrag im Februar 2027. Inhaltliche Details sowie der genaue Termin werden derzeit noch abgestimmt und zeitnah bekanntgegeben.

Über den Vortragenden

Richard Pfeifer, M.A., ist Universitätsassistent am Forschungsbereich Stadtkultur und Öffentlicher Raum der TU Wien sowie Doktorand im Bereich Soziologie. Seine Forschungsarbeit beschäftigt sich insbesondere mit sozialer Ungleichheit, Stadtentwicklung, Wohnpolitik und der Entstehung urbaner Öffentlichkeiten. Im Rahmen seiner Dissertation untersucht er die Zusammenhänge zwischen Wohnungs-Governance und städtischen Ungleichheiten in europäischen Städten. Sein Vortrag wird aktuelle Perspektiven aus seinem Forschungs- und Arbeitskontext aufgreifen. Weitere Informationen zum Thema werden in Kürze bekanntgegeben.

Die Science Insights Seminarreihe bietet eine Plattform für den interdisziplinären Austausch über aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Technik und Gesellschaft. Wir freuen uns darauf, Sie bei einer der kommenden Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.

Titelbild: © CTSi 2026